Kopflabor

Ich bin krank.

[Triggerwarnung] der Post könnte für einige Menschen belastende Dinge enthalte.

Ich bin krank. Nicht körperlich sondern seelisch.

Mit 12 habe ich mir das erste mal die Arme blutig geschnitten um gegen die Dumpfheit im meiner Seele anzukämpfen und den ständigen Druck zu kompensieren. Später habe ich mir eine Essstörung antrainiert um den Selbstverletzungsdrang auszuleben. Das Borderline die eigentliche Ursache ist, wurde erst viel zu spät diagnostiziert.

Ich bin seit meinem vierzehnten Lebensjahr in therapeutischer Behandlung, habe Monate in Kliniken verbracht (immer dann, wenn ich die magische 40kg Marke erhungert habe) und kenne wohl in jeder Stadt in der ich bisher gelebt habe, die hälfte der ansässigen Psychotherapeuten.

Gesund bin ich immer noch nicht. Aber ich habe die Symptome halbwegs unter Kontrolle.

Warum ich dass hier schreibe. Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht weil ich keine Lust und Kraft mehr habe einen Teil von mir zu verstecken. Vielleicht weil ich Angst habe es könnte irgendwann herauskommen. Vielleicht weil ich einfach ein Mitteilungsbedürfnis habe. Vielleicht weil ich den Fluchtinstinkt in zwischenmenschlichen Beziehungen erklären will. Vielleicht weil ich online endlich Menschen gefunden habe, mit denen ich mich wirklich verbunden fühle und ihnen jeden Aspekt meines Ichs zeigen will.

Aber mit Sicherheit darf diese Thematik nicht länger ein Tabu-Thema in unserer Gesellschaft sein. Weder online noch offline. Und wenn dieser Blogeintrag auch nur ein kleines bisschen dazu beitragen kann, dann war es das Wert. Vielleicht kann ich dazu beitragen, dass andere den Mut fassen über ihre Ängste und Nöte zu sprechen.

Es gibt so viele Menschen die im Stillen leiden, die an ihrer Angst ersticken. Das muss sich ändern. Wenn wir es nicht tun, wer dann?

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38 Kommentare zu “Ich bin krank.

  1. flattremonk
    26. April 2012

    Danke. Einfach nur danke.

  2. Felicitus
    26. April 2012

    Obwohl ich nicht an Borderline erkrankt bin, so lerne ich viele Personen kennen, die daran erkrankt sind. Und viele lerne ich zu schätzen, denn so krank sind diese Menschen nicht – krank sind in meinen Augen nur die Menschen, die sich damit nicht auseinandersetzen möchten.

  3. zwetschgo
    26. April 2012

    Zu allererst: Gute Besserung, sofern das bei dir geht. Es geht, ich weiß das. Ich bin selbst krank, sowohl als auch.

    Gut, wenn du das offen angehst, wenn es dir hilft.

    Hast du irgendwelche negativen Erfahrungen mit Mitmenschen gemacht die von deiner Erkrankung wissen oder weiß das bis zu dem Moment überhaupt nur ein eingeschränkter Personenkreis?

    Würde mich nur mal interessieren was man “haben” muss, damit einen die Leute mit denen man zu tun hat, nicht ständig Dinge unterstellen und es zur Gewohnheit werden lassen einen misszuverstehen.

    Alles Gute!

  4. yetzt
    26. April 2012

    <3

  5. yetzt
    26. April 2012

    oder um es auszuformulieren: ich bin äußerst glücklich über den umstand, dass es dich gibt und dass ich das privileg genieße, dich zu kennen und zeit mit dir verbracht zu haben.

    • Ti_Leo
      26. April 2012

      Dem schließe ich mich aus tiefem Herzen an. ^^

  6. hutch
    26. April 2012

    Ahoi,
    zunächst find ich’s gut, dass du’s aussprichst (gerade wenn es nur für dich ist und dir gut tut). Allerdings frage ich mich: wenn es kein Tabuthema mehr bleiben soll, wie soll dann damit öffentlich umgegangen werden? Gibt’s irgendwas, was deine Mitmenschen hätten tun können/sollen, damit’s gar nicht erst so weit gekommen wäre? Kannst du bestimmte Handlungen/Situationen benennen, die ausschlaggebend für deine derzeitige Situation sind?
    Gruß,
    hutch

    • fraulutz (@fraulutz)
      26. April 2012

      (Das folgende sind meine ganz persönlichen Erfahrungen und wahrscheinlich keine adäquate Antwort auf die Fragen. (Die ja auch gar nicht an mich gerichtet waren, logisch!) Ich schreib’s trotzdem mal auf.)
      Auch ich kann von mir sagen, daß ich psychisch krank bin, wenngleich auf andere Weise, und ich finde es immer recht anstrengend, wenn mich Leute, denen ich das gerade anvertraut habe, fragen, was eigentlich das Problem ist, wie sich das in konkreten Situationen äußert oder was sie anders oder überhaupt machen können, um mich zu unterstützen. Mich überfordert das. Ich verstehe, daß das eigene Innenleben nicht so ohne weiteres für andere nachzuvollziehen ist, aber es lässt sich eben auch nicht rational erklären. Ein guter Rat ist (glaube ich zumindest): akzeptiere erstmal das, was da jemand über sich erzählt, und fordere nicht, daß er/sie ausführliche Erklärungen dafür liefert. Im besten Fall werden die irgendwann nachgereicht.
      In einer Gesellschaft, in der psychische Erkrankungen kein Tabu sind, würden sich diese Fragen vielleicht gar nicht so stellen. Ich habe jedenfalls, bevor es mich erwischt hat, kaum jemals damit zu tun gehabt oder auch nur davon ernsthaft gehört. Es ist bisweilen echt anstrengend, psychische Krankhaeiten als KrankeR thematisieren zu müssen.
      Ich habe in der Schule einen ganzen Haufen über Krankheiten gelernt. Eine psychische Krankheit war nicht dabei. Warum eigentlich? Das gehört für mich zu einer Tabuisierung dazu. Es wird nicht darüber gesprochen, und niemand ist darauf vorbereitet, weder die, die es trifft, noch ihr Umfeld.

      Naja, ich hoffe, damit kann jetzt jemand was anfangen und es ist nicht allzu zusammenhangslos drangeflanscht…

  7. hds1234
    26. April 2012

    Erstmal: Ganz großen Respekt für deinen Mut. Ich selbst lebe mit ADHS und auch wenn meine Probleme im Vergleich marginal erscheinen, so war das für mich auch eine schwierige Sache, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich musste das lernen, mein erstes Outing gegenüber Freunden war schon schwer, meinen Arbeitgebern gegenüber habe ich das auch erst zu verstecken versucht. Aber es hat geholfen. Mir und meinem Umfeld.
    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen durchaus akzeptieren, dass man “anders” ist, und dass ein “hier, ich erklär euch, warum”, oft weiterhilft. Nicht immer. Nicht bei allen. Aber es ist gut, darüber zu reden.
    Noch wichtiger aber finde ich, dass das auch anderen betroffenen hilft. Weil ich offen mit meiner Erkrankung umgehe, habe ich schon vielen Menschen direkt helfen können. Sie zu Ärzten verwiesen, sie beraten.

    Man traut seinem persönlichen Umfeld eben mehr, als dem alten Mann im weißen Kittel. Und Mut zugesprochen zu bekommen, zu wissen, dass es völlig okay ist, sich Hilfe zu suchen und nicht immer funktionieren zu können, das ist gut und bei weitem nicht selbstverständlich.

    Um es mal pathetisch zu sagen, sind viel zu viele Menschen gestorben, weil sie ihre Probleme für sich behalten. Ob Borderline, Depression oder auch eine neurologische Störung wie ADHS, die oftmals mit einer bipolaren Störung oder zumindest Symptomen dessen kommt.

    tl;dr: Redet darüber. Egal was ihr habt. Redet über Gefühle und Probleme und Ticks. Es hilft euch, es hilft aber auch anderen, die sich bislang nicht getraut haben, zu reden.

    • acid
      26. April 2012

      Ich stimme dir da in allen Punkten zu, außer in einem:
      Ich empfinde uns sequentielle Menschen nicht als gestört und bin Stolz so zu sein!

      Ich glaube, ich sollte demnächst echt mal dazu bloggen, vielleicht nachdem ich die aufgeschobenen Steuern gemacht habe… ;)

      • hds1234
        26. April 2012

        Da gibt es aber zwei ebenen. Die eine sagt “ja, wir sind anders und das ist gut so”, das ist alles richtig. Die andere rennt immer wieder mit dem Kopf gegen Wände, kommt im “realen Leben” bzw. mit “der Gesellschaft” nicht klar, verliert Jobs, schafft Klausuren nicht und scheitert in Beziehungen zu anderen Menschen. Und auch wenn man dann irgendwann die Kraft findet zu sagen “ich muss halt so nicht funktionieren”, bis dahin ist es schmerzhaft. Immer wieder. Und da hilft es eben, dass es Menschen gibt, die genauso sind, die einen verstehen, die einem den Mut zusprechen, zur Andersartigkeit zu stehen. Oder auch einfach mal zum therapeuten zu gehen, bevor man sich selbst kaputt macht.

  8. acid
    26. April 2012

    Danke Jella, dafür dass es dich gibt und du diesen Beitrag geschrieben hast.

    Ich denke auch, dass wir mehr öffentlich über unsere Ängste schreiben müssen. Noch so ein Blogpost, den ich mal schreiben sollte :)

  9. Andreas Moser
    26. April 2012

    Die meisten Leute, die bloggen, sind krank.

  10. Florian Nord
    26. April 2012

    Ich glaube ich habe auch einen komischen Tick.
    Sowas wie Selbstverzehr.

    Wenn ich Stress habe oder nervös bin, kaue ich meine Fingernägel. Früher habe ich das soweit getan, bis es geblutet hat. Inzwischen habe ich das besser unter Kontrolle.
    Ich knibbel auch Schorf von Wunden ab und esse den.

    Bisher habe ich damit keine großen Probleme im Alltag und ich weiß auch nicht, ob ich darüber mit jemandem reden will, aber möglicherweise würde es helfen.

    Ich weiß auch nicht genau, warum ich das hier geschrieben habe und möchte jetzt nicht dastehen, wie einer der dein SVV mit seinem Kinderkram kleinreden will.
    Hmpf…

  11. J3nc0m
    26. April 2012

    Jella find ich gut, brauchst nix zu verstecken.
    Es ist wie es ist. Du bist gut so :)
    Schön, daß Du da bist !

  12. Gast
    26. April 2012

    Ich glaube ja, dass dieses “Borderline” nur eine Modediagnose ist, die gerade irgendwie in ist. Das Leben ist halt kein Ponyhof, also reiß dich einfach zusammen! Wir anderen müssen schließlich auch mit diversen Problemen klarkommen und können auch nicht dauernd rumheulen…

    • Markus
      27. April 2012

      Halt die Fresse und informiere dich. Sorry, bei solch einem selten dämlichen Kommentar möchte ich nicht sachlich bleiben.

    • Felicitus
      27. April 2012

      @Gast Borderline ist eine “Mode”-Diagnose, weil die Symptome leider auch auf viele andere Krankheiten passen oder diese kaschieren. Du erweckst den Eindruck, als ob Menschen dies zum “Spaß” (oder aus Aufmerksamkeitsmangel etc) machen – dies ist nicht so.

    • Robin Urban
      28. April 2012

      Es sind Leute wie Sie, die die Welt zu einem beschissenen Ort machen…

    • Quimoniz
      11. Mai 2012

      ja ist klar… sich selber die Arme aufschneiden, wegen zu viel psychischem Stress, und sich bis kurz vor den Tod hungern sind ganz normale Weh-wehchen

      ich bitte dich: Les’ dich in das Thema ein

    • Thalea
      30. Oktober 2012

      Mal ganz ehrlich “Du hast ja wohl den Arsch offen” – Sorry, dass ich so deutlich sein muss, aber du tickst doch nicht ganz sauber. Leute wie du sind es, die Menschen mit seelischen Leiden stigmatisieren und aus der Gesellschaft ausgrenzen. Was mal wirklich so das allerfalscheste ist, was man tun kann!

  13. litterart
    27. April 2012

    Ich denke, dass DU DICH SELBST mit dem “Feind” in dir konfrontierst, und zwar mit lockerer Konsequenz -:), wie es scheint, ist der beste Weg zum Sieg über ihn. Und ich denke, dass DU UNS mit ihm konfrontierst, mag ebenso hart wie erlösend für dich sein. Für Menschen, die sich in ähnlichen Situationen wie du befinden, ist es sicher ein Anlass zur Selbstkonfrontation, für manche vielleicht Wohltat und Hoffnung. Und für die Gesellschaft, die für deine Zustände mitverantwortlich ist, ist diese Konfrontation jedenfalls das Beste, was ihr, in der alles nach Veränderung schreit, passieren kann.

    Mit besten Wünschen,

    Michael . LitterART

  14. unnaaf
    27. April 2012

    Hallo, schön, dass Du uns so umfangreich teilhaben lassen willst.
    Eine Frage, da ich mich auch ziemlich umfassend im Netz geoutet habe: Wie viele Leute kennst Du online? Und wie viele von denen waren jetzt schon auf dieser Seite?
    Oder anders: Wieso bist Du so schnell “Freshly Pressed”? (und ich habe nach 17 Monaten sechs Leser pro Tag)

    • kopflabor
      27. April 2012

      Ich habe den Artikel über Twitter verbreitet. Und dort habe ich sehr großartige Menschen (von denen ich glücklicher weise auch schon einige persönlich getroffen habe), die mich retweetet haben.
      (Danke dafür <3)

  15. gr4y
    27. April 2012

    @Jella: Danke. Auch wenn man sich nur auf Twitter kennt: Du bist ein toller Mensch. Mir ist klar dass es dich einiges an Überwindung gekostet hat über deine Krankheit zu schreiben und das bewundere ich.

    @Gast: Du bezeichnest es als Modeerscheinung dass sich mensch selbst verletzt, weil mensch mit dem Druck nicht mehr klar kommt.

    Weißt du wie es ist sich Nachts die Arme blutig zu kratzen, weil du nicht verstehen kannst was du deiner Lehrerin getan hast, damit sie dir jeden Tag vor der ganzen Klasse sagt dass du es nie zu etwas bringen wirst?

    Weißt du wie es sich anfühlt nicht in eine Gruppe zu passen und mit deiner Umwelt nicht mehr klar zu kommen?

    Weißt du wie es sich anfühlt mit niemandem über deine Gefühle sprechen zu können, weil dir niemand glaubt?

    Weißt du wie es ist lachen zu müssen, obwohl man eigentlich heulen will?

    Weißt du wie es ist keine Schwäche zeigen zu dürfen, weil du dann gesagt bekommst dass du dich zusammenreißen sollst, schließlich bist du ja keine Frau?

    Nein? Dann hab ich da 4 Worte für dich: SHUT THE FUCK UP!

  16. d.
    27. April 2012

    Ich habe in meinen Blog-Drafts seit Monaten einen “Hey, ich bin depressiv, mir gehts scheisse und ich will eigentlich nicht mehr so wirklich”-Text liegen und traue mich nicht, ihn zu veröffentlichen.

    Hut ab, Kopf hoch. Auch wenn wir uns nicht kennen.

  17. d.
    27. April 2012

    Ich sollte vielleicht ergänzen, dass ich so ‘ne wohl eher geringfügig ausgeprägte Depression nicht mit deiner Situation gleichsetzen will. Ich fürchte, du bist da deutlich schlimmer dran und hoffe, dass es eines Tages einen Punkt geben wird, an dem du das alles langsam hinter dir lassen kannst.

    Das Umfeld dafür scheinst du ja zu haben. Viel Glück.

    • hds1234
      27. April 2012

      d.: das ist doch kein Wettbewerb. “Anderen Leuten geht es schlechter” führt nur zur Verharmlosung der eigenen Situation. Wenn es dir nicht gut geht, dann sprich mit Menschen darüber. Oder schreib darüber. Oder tu, was auch immer du tun möchtest, damit es dir besser geht.

  18. payoli
    27. April 2012

    Du bist ok! Jeder Mensch ist so wie er ist ok. Jedes Wesen ist ok und wichtig für diesen Planeten, für diese Gesellschaft.
    Lass Dir keine Diagnosen umhängen!
    Glaub nicht auch noch selber daran, dass Du nicht ok bist.
    Du bist Du, und hast eine Lernaufgabe, so wie jeder andere auch.
    Die Gründe warum Du vielleicht leicht außerhalb der Norm (was immer das sein soll …) liegst, liegen außerdem sicherlich nicht bei Dir. Jedes Kind kommt ok zur Welt. Wenn nicht, wurde ihm etwas ‘angetan’.
    Nimm Dich so an wie Du bist. Dein ‘Anderssein’ ist ja nur da, taucht ja nur auf, um gesehen, um von Dir angesehen und akzeptiert zu werden.
    Guck Dich um! Die Welt und das Leben sind so wunder- und kostbar. Jede Sekunde will gelebt und genossen werden!
    Wer das nicht tut, hat bloß noch nicht richtig hingesehen, hat bloß noch nicht all diese Alltags- Wunder und Geschenke bemerkt … ;-)
    Alle(s) Liebe und
    paradise your life !

  19. Robin Urban
    28. April 2012

    Man merkt es meiner Schreibe vermutlich nicht an, aber ich habe ebenfalls die Diagnose Depression. Nachdem ich jahrelang nichts getan habe, versuche ich nun seit Monaten, eine Therapeuten zu finden. Die meisten Normalos wissen ja nicht mal, dass man auf sowas mal locker ein halbes Jahr warten darf…

    Ich habe die Hoffnung eigentlich aufgegeben, dass die Gesellschaft dazu lernt. Die Infos über psychische Krankheiten gibt es ja, nur beschäftigt sich niemand damit, den es nicht interessiert, und diese Menschen werden auch deinen Blog nicht lesen (sorry).
    Gegen mangelnde Empathie kann man nicht so viel tun, gegen Wissenslücken schon. Daher wäre ich dafür, in allen weiterführenden Schulen Deutschlands verpflichtenden Psychologieunterricht einzuführen. Sonst wüsste ich nichts, was da helfen kann.

  20. katsaysmeow
    30. April 2012

    Öhm, wenn es so etwas wie ein Borderline-Highfive gibt, dann würdest du das jetzt bekommen und das heißt dann soviel wie: Ich kenne diese ganze verdammte Scheiße und das Unverständnis und die blöden Kommentare und die Kliniken und die Kriseninterventionen und… alles. Das war’s schon. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, ich bin jetzt weg.

  21. JeriC
    2. Mai 2012

    Ich kenne dich nur recht oberflächlich über Twitter, da ich eher ein Gelegenheitstwitterquerleser bin, aber ich kann sicher sagen, dass du ein extrem sympathischer Mensch bist.
    Selber habe ich zum Glück nicht solche Probleme (sondern bin nur Hyperaktiv und extrem Antriebslos und vielleicht leicht depressiv – ich habe allerdings erst sehr spät, nämlich vor einem halbem Jahr, angefangen, etwas dagegen zu unternehmen), kenne allerdings mehrere Borderlinebetroffene und finde, dass das nichts ist, was eine Person definiert – ich mag diese Leute oder auch nicht, unabhängig davon.
    Ich muss dir echt meinen Respekt für dieses “Outing” aussprechen, denn die Entscheidung, das zu tun, scheint dir ja nicht allzu leicht gefallen zu sein. Hoffentlich hilft das, das Gefühl des “an Angst zu ersticken” zu ändern.
    Ich würde dir gerne sagen, dass alles gut wird. Versprechen kann ich es nicht, aber ich wünsche es dir von Herzen.

  22. ashiso
    11. Mai 2012

    Ich finde es unendlich schwer sich online zu outen. Habe das mehrmals in Betracht gezogen und auch schon einen Text geschrieben, dennoch nicht gemacht. Respekt!

    Durch dein Outing, die der Anderen und auch sonnst durch die Kommentare möchte ich doch mal was schreiben. Fühlt sich echt seltsam an, aber das Internet verbindet mich mit euch auf eine wunderbare Art und Weise. Schön das es euch gibt! Schön das wir nicht allein sind. Schön, das wir über unsere Probleme und Schwächen genauso reden können, wie über unsere Talente und Stärken.

    Meine Diagnose lautet Schizophrenie und später dann schwere Depression. Dazu psychotische Episoden und nichtorganische Insomnie – welche bis heute anhält.
    Ich kann also ohne Medikamente nicht schlafen. Trotz physischer Erschöpfung kommt mein Kopf auch nach Tagelangem wachsein von allein nicht zur Ruhe.

    Meine Krankheit(en) und der Umstand, dass ich auf Medikamente bis auf weiteres angewiesen bin hat mich auf eine seltsame Art aus dem Lebensfluss gerissen. Ich konnte meinen eigenen Sinnen nicht trauen und habe aus dem Erklärungsbedürfnis meiner veränderten Realität Wahnvorstellungen produziert. Nachdem durch therapeutische Behandlung und Medikamente der ‘normale’ Zustand wiederhergestellt wurde, kam ich nicht mehr mit der Welt klar. Komme ich eigentlich immer noch nicht wirklich.

    Ich warte immer noch auf eine Trinity oder einen Morpheus die mir sagen, dass ich in einer Traumwelt lebe, einer schrecklich unperfekten Simulation, kreiert von Wesen die keine Emotionen besitzen.

    Es ist nichts mehr “selbstverständlich”. Ich musste mir Prüfroutinen für Gedankengänge antrainieren und diese nun bis an mein Lebensende pflegen. Das hilft mir – leider nicht immer – besser mit der Welt klar zu kommen. Vielleicht helfen sie euch ja auch.

    “Ich blicke in den Spiegel und bin angewidert von dem was ich sehe und auch von dem was sich dahinter verbirgt”:

    Wenn ich eine Pflanze beobachte kann ich auf den ersten Blick nichts schlechtes an ihr erkennen. Die Blätter sind unterschiedlich groß, hier und da seltsame Flecken auf den Blättern. Keine Pflanze sieht exakt genauso aus wie die nächste – auch wenn sie von der gleichen Art sind. Nehme ich nun eine Pflanze konkret unter die Lupe finde ich Dinge die “irgendwie komisch” sind oder “unnatürlich” aussehen. Dennoch kann ich nicht sagen “ich mag die Pflanze nicht weil .. “.
    Wenn ich nun diese Pflanze wäre, würden mir aber bestimmt zig tausend Dinge einfallen die nicht richtig sind, die anders sein sollten oder so. Ich könnte das aber weder als Pflanze noch als Mensch ändern. Klar kann ich mein Aussehen zu einem gewissen Grad kontrollieren, aber so richtig ändern kann ich nichts. Mir bleibt nichts anderes übrig als mich so grundlos zu akzeptieren, wie ich andere Menschen oder Pflanzen oder was auch immer akzeptiere. “Die sind eben so, Ende vom Lied”.

    “Ich kann nicht verstehen warum andere mich mögen, es gibt nichts an mir was man gut finden kann”:

    Gegenfrage; was mag ich an Anderen genau? Warum wachsen mir manche leute so ans Herz? Kann ich nicht so genau sagen. Haar- und Augenfarbe, Größe, Gewicht, Maße, Kleidung und so weiter sind mir eigentlich egal. Ich mag sie einfach für ihre Authentizität, ihre Meinung – auch wenn ich selten derselben bin –, für ihre einzigartigen Gedanken. Für ihren Enthusiasmus und die Empathie, dafür das sie mir Zeit schenken und ich mit ihnen Freude teilen kann.
    All diese Dinge habe ich auch, also warum sollten mich andere nicht genauso mögen?

    “Meine Arbeit ist nicht perfekt weil …”:

    Sehe ich mir einen fertigen Steinhaufen an, ist der genauso wie er ist “richtig” oder gar perfekt. Nehme ich einen Stein weg oder füge einen hinzu ändert sich dieser Umstand für mich nicht. Es ist zwar nicht mehr der selbe Steinhaufen aber ich finde ihn immer noch genau richtig. Stelle ich nun selber einen Steinhaufen zusammen achte ich auf die Farbe, Form, Größe und Beschaffenheit eines jeden Steins. Die Summe muss stimmen, die Symmetrie und Anordnung sollten ein stimmiges Gesamtbild erzeugen. Es soll eben ein Perfekter Steinhaufen werden.
    Doch das schaffe ich nicht. Ich kann zu jedem X-beliebigen Steinhaufen gehen und er ist perfekt, nur meiner nicht. Ich kann sie verändern und sie bleiben perfekt. Versuche ich nun einen fertigen Steinhaufen zu kopieren verfällt die Perfektion seltsamer Weise. Er ist auf einmal nicht mehr richtig, es gibt zu viele Fehler hier und da. Das ist eigentlich absurd.

    Ich mag euch! Bleibt wie ihr seid oder verändert euch, ich mag euch trotzdem.

  23. Quimoniz
    11. Mai 2012

    *Flausch*

  24. Low Fantasy, High Hopes
    21. Oktober 2012

    Weil ich weiß, wie die meisten Borderline-Störungen entstehen, wünsche ich Dir den Mut, nicht nur über die Symptome Deiner Krankheit, sondern auch über ihren Ursprung zu berichten (in Unkenntnis dessen, welche traumatischen Erlebnisse in Deinem konkreten Fall auslösend sind).

    Denn nur dadurch, dass endlich ein öffentlicher Diskurs über das Thema stattfindet, können die vielen betroffenen Frauen (und in geringerem Ausmaß auch Männer) endlich ihre Opferrolle ablegen und aufzeigen: es sind in Wahrheit nicht SIE, die krank sind!

  25. JuliAlien
    17. März 2013

    Bin gerade zufällig über diesen post gestolpert und echt berührt. finde toll, dass du offen darüber sprichst und wünsche dir alles gute!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 26. April 2012 von in persönliches.

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